Der "Spaten" ist ein in erster Linie zu Grabearbeiten verwendetes Werkzeug, bestehend aus dem flachen Spatenblatt und dem mit diesem verbundenen Spatenstiel. Der Spaten wird als Sonderform der Schaufel angesehen.Otto Lueger: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften. 2. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und Leipzig 1904, Stichwort: Schaufel
Konstruktion und Verwendung Der Spaten wird überwiegend zu Zwecken der BodenbearbeitungUlrich Sachweh (Herausgeber): 'Der Gärtner, Band 3, Baumschule, Obstbau, Samenbau, Gemüsebau'. 2. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1986/1989, ISBN 3-8001-1148-9, S. 43, d. h. zum Lösen, Bewegen sowie Umdrehen (Umgraben) in Kultur stehender oder zu nehmender Boden (Bodenkunde)|Böden (sogenannte Spatenkultur) verwendet. Das Spatenblatt sollte in Größe und Form der Bodenbeschaffenheit und den Kräften des Nutzers angepasst sein. Je schwerer (toniger) der anstehende Boden ist, desto kleiner sollte das zu verwendende Spatenblatt ausfallen. Es gibt zwei Grundformen des Blatts, rechteckige mit gerader oder leicht bogenförmiger Einstechkante für homogene, steinarme Böden, und dreieckige, vorne spitze Blätter für steinige Böden. Die Anstechkante ist angeschärft und das Blatt Härten (Stahl)|gehärtet. Der Spaten wird insbesondere beim Lösen von verdichtetem Boden eingesetzt, dabei wird das Spatenblatt in den Boden gestossen bzw. in den Boden getreten. Bei einigen Ausführungsarten ist die Auftrittkante des Blattes umgebördelt.
Der Spatenstiel des modernen Spatens ist in der Regel durch Nieten fest im Spatenblatt eingespannt. Als Griffform gibt es neben dem einfachen Knauf den 'Spatengriff', als T-oder D-Griff. Der Stiel hat eine optimale Länge, wenn der auf der Erde senkrecht aufgestellte Spaten bis zur untersten Rippe des Benutzers reicht.
Eine menschliche Arbeitskraft kann mit dem Spaten in der Stunde auf leichten Böden etwa 30 m² und auf schweren Böden nur rund 15 m² umgraben. Loser Boden und Schüttgut kann zwar auch mit dem Spaten bewegt werden, zweckmäßigerweise wird aufgrund der besseren Arbeitsleistung hierzu aber eine Schaufel genutzt. Reicht der Spaten nicht mehr aus, um den Boden zu lösen, weil z. B. Steine oder Wurzelwerk seinen Einsatz übermäßig erschweren oder unmöglich machen, so kann ein Pickel (Werkzeug)|Pickel (Spitzhacke) vorab zum Lockern eingesetzt werden.
File:Geestspaten in Grabefurche.JPG|Spaten mit dünnem und scharfen Blatt für Geest|Geestböden, aufgestellt in der Grabefurche an der Stelle des letzten Stiches Bild:Spaten T-griff fexx.JPG|Spaten mit T-Griff Bild:Solid spade (frog view).jpg|Spaten mit D-Griff
Sonderformen
* Der 'Rodespaten' oder auch 'Aushebespaten' hat aufgrund der hohen Belastungen bei Roden bzw. Verpflanzen von Gehölzen (Heraushebeln des Wurzelballens) ein besonders stabiles Spatenblatt und einen starken, dickem Stiel. Er findet daher vor allem in der Landwirtschaft und im Garten- und Landschaftsbau Verwendung. * 'Torfspaten': Zum Torfstechen diente ein Spaten mit besonders langem Blatt, daher stammt die früher typische Langziegelform des Heizen|Heiztorfs. Im Oldenburger Land wird dieser 'Pann' genannt. *'Koniferenspaten' besitzen ein besonders schmales Blatt zur Arbeit unter beengten Verhältnissen. * 'Feldspaten': Militärisches Spatenmodell, das in einem ledernen oder kunstledernen Futteral zumeist am Koppel des Soldaten mit sich geführt wird. * Ein 'Klappspaten' ist ein relativ kleiner und leichter Spaten, dessen metallener Stiel zusammengefaltet werden kann, sodass er leicht und platzsparend transportiert werden kann. Er wird vor allem beim Militär, beim Camping, bei Natursport|Outdooraktivitäten benutzt. * 'Halbspaten': Vorzeitlicher hölzerner Spaten mit nur einer Schulter. Gefunden wurde solch ein Gerät aus Ahorn (und eine hölzerne Hacke) in einem Erkelenzer Brunnen der Bandkeramische Kultur|Linienbandkeramiker. (Quelle: bild der wissenschaft 1995) *'Gabelspaten', auch 'Grabegabel' genannt: Das Spatenblatt ist wie bei einer Gabel durchbrochen, allerdings mit meistens drei oder vier ca. 2-3 cm breiten Zinken. Der Gabelspaten wird gleich dem Spaten zum Wenden des Bodens benutzt, und ähnelt in der Funktion dem – abwinkelten – Karst (Werkzeug)|Karst.
Bild:Walther Firle Torfstecher.jpg|Walther Firle: Torfstecher mit Spaten Datei:Feldspaten.jpg|Militärischer 'Feldspaten' aus dem frühen 20. Jahrhundert
Geschichte
Historisch löste der Spaten den Grabstock zur Bodenbearbeitung|Grundbodenbearbeitung im Ackerbau ab, bis er selbst vom Pflug abgelöst wurde. Beim 'Rigolen' (drei Spatenstiche tief Umgraben) kann er (z. B. im Weinbau) auch heute noch nicht durchwegs vom Tiefpflug ersetzt werden. Im Gartenbau, insbesondere im Hobbybereich, wird der Spaten auch bei der krumentiefen (ein Spaten tiefen) Bodenbearbeitung weiterhin eingesetzt.
Beim 'Holländern' wird zwei Spaten tief umgegraben. Das umzugrabende Stück Land wird in Streifen abgesteckt. Man setzt die Humusschicht vom ersten Streifen an das Ende des Stückes, gräbt dann den ersten Streifen um und setzt die Humusschicht des zweiten Streifens darauf, gräbt dann den zweiten Streifen um, usw.
Auch im Tiefbau und Erdbau wurden vor der Maschinisierung mit Spaten und Schaufel Fundamente, Baugruben, ja auch Kanäle ausgehoben. Römische Legionäre bauten mit Spaten Gräben und Wälle für Feldlager ebenso wie 2000 Jahre später moderne Soldaten Schützengraben|Schützengräben und Unterstände. Im Bauwesen wird heute noch für kleinere Arbeiten oder Fein- und Begleitarbeiten beim Baggern die klassische Kombination von Spaten, Schaufel und Pickel (Werkzeug)|Pickel mitgeführt, so etwa, wenn um Versorgungsleitungen, Stromleitungen oder Postkabel „herumgearbeitet“ werden muss.
Siehe auch * Erster Spatenstich, symbolischer Akt des Baubeginns
Einzelnachweise
Weblinks Commonscat|Shovels and spades|Spaten Wiktionary|Spaten