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Sibirien

 
Begriffsklärungshinweis
Als "Sibirien" (RuS|Сибирь 'lang|ru-Latn|Sibir') bezeichnet man im weitesten Sinne den ganzen asiatischen Teil von Russland. Es wird im Westen begrenzt vom Ural, im Norden vom Arktischer Ozean|Arktischen Ozean, im Osten vom Pazifik und im Süden von der Volksrepublik China, der Mongolei und Kasachstan. Es umfasst rund drei Viertel des russischen Territoriums und misst 13,1 Millionen Quadratkilometer.

Im 'engeren Sinn' versteht man unter Sibirien fünf der acht russischen Großlandschaften: das große Westsibirisches Tiefland|Westsibirische Tiefland, das Nordsibirisches Tiefland|Nordsibirische Tiefland, die Mitteljakutische Niederung, das Mittelsibirisches Bergland|Mittelsibirische Bergland und das Südsibirische Gebirge.

Ostsibirien (zwei weitere Großlandschaften östlich der Lena (Arktischer Ozean)|Lena) und die südöstlichsten Gebiete Russlands zwischen Amur und Pazifikküste werden hingegen auch als 'Russisch Fernost' (Föderationskreis Ferner Osten) bezeichnet.

im Gebiet der Nenzen


Geografischer Überblick
Abgrenzungen
und nach westlichem Verständnis (mittelrot)
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Sibirien der zu Russland gehörende Norden Asiens vom Uralgebirge bis zur Küste des Pazifischer Ozean|pazifischen Ozeans.

Verwaltungsmäßig allerdings bildet Westsibirien zusammen mit dem Uralgebiet den russischen Föderationskreis Ural (Föderationskreis)|Ural. Daran schließt sich östlich der Sibirien (Föderationskreis)|Föderationskreis Sibirien an, der den größten Teil des mittelsibirischen Berglandes und der Südsibirischen Gebirge umfasst. Daran östlich grenzt der Russisch-Fernost|Föderationskreis Ferner Osten.

Dieser russische 'Ferne Osten' ('Dalni Wostok'/'Дальний Восток') reicht von Sacha|Jakutien bis zur Pazifikküste und ist mit 6.179.900 km² Fläche größer als der Föderationskreis Sibirien. Er wird zwar außerhalb Russlands zumeist als Teil dieser Landschaft subsumiert, gilt jedoch in Russland selbst als eigene Region. So verstehen Einwohner Kamtschatkas oder Sachalins unter „Sibirien“ eine Region, die sich mehrere tausend Kilometer westlich ihrer Heimat befindet. Für Russen beginnt Sibirien „hinter dem Ural“ – in Höhe von Tjumen – und endet „kurz hinter dem Baikal“ – also etwa 100 Kilometer östlich des Baikalsees, bei Ulan-Ude."

Ursprünglich bezog sich die Landesbezeichnung Sibirien auf das Khanat 'Sibir' im heutigen Westsibirien, eine Abspaltung des Khanats der Goldene Horde|Goldenen Horde.

Großlandschaften

Außerhalb Russlands wird heute zumeist der gesamte asiatische Teil Russlands als Sibirien bezeichnet. Dieser erstreckt sich in west-östlicher Richtung zirka 7.000 Kilometer weit vom Ural bis zu den Gebirgen der pazifischen Wasserscheide. Von Norden nach Süden umspannt er etwa 3.500 km vom Arktischer Ozean|Arktischen Ozean (Nordpolarmeer) bis zum Kasachstan|Kasachischen Hügelland und der Grenze zur Mongolei und zur Volksrepublik China.

Sibirien lässt sich grob in sieben Großlandschaften einteilen:
# Westsibirisches Tiefland, zwischen Uralgebirge und dem Fluss Jenissei.
# Nordsibirisches Tiefland, in der Nähe des Nordpolarmeeres von der Mündung des Jenissei bis zur Mündung der Lena (Arktischer Ozean)|Lena.
# Mittelsibirisches Bergland, abgesehen vom Putoranagebirge unter 1000 Meter hoch, südlich an das Nordsibirische Tiefland anschließend zwischen Jenissei im Westen und
# das Becken der Lena (Arktischer Ozean)|Lena mit der Mitteljakutische Niederung|Mitteljakutischen Niederung im Osten'.
# Südsibirische Gebirge, eine Gruppe von Hochgebirgen südlich der vorgenannten Landschaften zwischen der Dsungarische Pforte|Dsungarischen Pforte im Westen und dem Ochotskisches Meer|Ochotskischen Meer im Osten, südlich an die Mongolei grenzend und durch das Tal des Amur von der China|chinesischen Mandschurei getrennt und durchschnitten. Höhen von bis zu 4506 m (Belucha im Altai) bis zu etwas über 2000 m nahe der Pazifikküste.
# Ostsibirisches Bergland mit mehreren über 2000 m hohen Gebirgszügen, ohne trennenden Einschnitt an die Südsibirischen Gebirge anschließend östlich der Mitteljakutischen Niederung und nördlich des Ochotskischen Meeres und dem Beringmeer. Als Ausläufer dieses Berglandes erstreckt sich die etwa 1.200 km lange Halbinsel Kamtschatka südwärts in den Pazifik und trennt das Ochotskische Meer im Westen von dem Beringmeer im Osten.
# Ostsibirisches Tiefland nördlich dieses Berglandes östlich der Lenamündung bis einschließlich des Beckens des Flusses Kolyma.

Flüsse und Seen
Der Baikalsee ist mit 31.500 km² Fläche, 1.637 m Tiefe und mit seinen mehr als 25 Mio. Jahren der größte, tiefste und älteste Süßwassersee der Welt. Er befindet sich in den Südsibirischen Gebirgen.

= Flüsse, die in das Polarmeer münden =
* Der 3.650 km lange Ob hat einen Abfluss von durchschnittlich 13.070 m³/sec (1995) und entwässert 2.430.000 km² Westsibiriens und Kasachstans in den Arktischer Ozean|Arktischen Ozean. Er entspringt als Katun im Altaigebirge. Er hat ein 1000 km langes und bis zu 60 km breites Ästuar, den 'Obbusen'. Seine wichtigsten Nebenflüsse sind von Süden nach Norden:
** Der Tschulym (Ob)|Tschulym, 1.799 km langer rechter Nebenfluss, kommt mit seinem rechten Quellfluss Weißer Ijus 2.023 km. Beide entspringen im Sajangebirge.
** Der Irtysch, 4.248 km langer linker Nebenfluss, entspringt auf der Südseite des Mongolischer Altai|Mongolischen Altai in der Dsungarei, erreicht durch die Dsungarische Pforte Kasachstan und erst 1500 km weiter Sibirien.
*** Der 2.450 km lange Ischim, ebenfalls linker Nebenfluss, kommt aus der kasachischen Steppe und erreicht erst im Unterlauf Sibirien.
*** Der weitere linke Nebenfluss Tobol, 1.591 km lang, entspringt im südöstlichen Vorland des Uralgebirges in Kasachstan. Mehr als die Hälfte seines Flusslaufs liegt auf russischem Gebiet.
am Jenissei bei Krasnojarsk
* Der 4.092 km lange Jenissei hat einen Abfluss von durchschnittlich 20.022 m³/sec (1995) entwässert 2.440.000 km² Sibiriens und der Mongolei. Sein Ästuar ist etwa 500 km lang. Seine wichtigsten Nebenflüsse münden von rechts. Liste in absteigender Reihenfolge der Mündungen:
** Die Angara ist der einzige Abfluss des Baikalsees. Sie verlässt den See unweit von dessen Südende und fließt in nordwestlicher Richtung durch den Irkutsker Stausee, an dessen Staudamm sich Irkutsk befindet. Etwas weiter nördlich dieser Stadt, in welcher der von Südwesten kommende Irkut einmündet, passiert sie Angarsk. Einige Kilometer unterhalb der Stadt durchfließt die Angara den großen Bratsker Stausee, wobei sie in den äußersten Süden des Mittelsibirischen Berglands einfließt. Im See fließt ihr die von Südwesten kommende Oka zu, etwa dort, wo sie die Stadt Bratsk erreicht. Zwischen Irkutsk und Bratsk ist die Angara schiffbar.
*** Die Selenga ist ein Zufluss des Baikalsees und damit ein solcher der Angara. Die oberen zwei Drittel ihres Laufs gehören zur Mongolei.
** Die Steinige Tunguska ist 1.865 km lang.
** Die 2.989 km lange Untere Tunguska entspringt 100 km südöstlich der Steinigen Tunguska und ist im Oberlauf nur durch einen Bergrücken vom Tal der Lena getrennt. In den Jenissei mündet sie 600 km flussabwärts der Steinigen Tunguska.

* Die 4.400 km lange Lena (Arktischer Ozean)|Lena entspringt nur etwa '5 km' vom mittleren Westufer des Baikalsees entfernt im Bogen zwischen dem See und der Angara. Sie entwässert 2.460.000 km² und trägt durchschnittlich 16.440 m³/sec (1994) in ihrem 200 km breiten Flussdelta|Delta in den Arktischer Ozean|Arktischen Ozean ein, hier die Laptewsee genannt. Ihre größten Nebenflüsse sind in absteigender Reihenfolge der Einmündungen:
** Die stark gewundene Witim entspringt östlich des Baikalsees im Gebirge zwischen dem See und der Ingoda. Sie ist 1.968 km lang.
** Die 1.436 km lange Oljokma entspringt zwischen Witim und Schilka (Stadt)|Schilka und ist ebenfalls in ganzer Länge ein Gebirgsfluss.
** Die 2.273 lange Aldan (Fluss)|Aldan entspringt auf der Nordseite des Stanowoigebirges, beschreibt einen weiten Bogen um Jakutsk und erreicht die Lena in der Mitteljakutische Niederung|Mitteljakutischen Niederung.
** Der Wiljui kommt aus dem Mittelsibirisches Bergland|Mittelsibirischen Bergland und ist mit 2.650 km Länge der einzige auch für sibirische Verhältnisse große linke Nebenfluss der Lena.

* Die 872 km lange Jana (Laptewsee)|Jana fließt östlich der Lena zwischen Werchojansker Gebirge und Tscherskigebirge (Nordostsibirien)|Tscherskigebirge. Sie entsteht aus der Vereinigung von Dulgalach und Sartang und ist mit jener zusammen 1.492 km lang. Das Janagebiet mit der Stadt Werchojansk gilt als Kältepol Russlands und kälteste bewohnte Gegend der Erde.

* Die nördlich des Ochotskischen Meeres entspringende Indigirka ist 1726 km, mit ihrem Quellfluss Chastach ist sie 1977 km lang. Über die Hälfte davon fließt sie durch das Ostsibirisches Bergland|ostsibirische Hochgebirge, bevor sie das Tiefland erreicht und dann mit einem 100 km breiten Delta in die Ostsibirische See mündet.

* Die bekanntere Kolyma, 2.129 km lang, entspringt im selben Gebirge und mündet 400 km östlich der Indigirka mit einem deltaartig zerteilten Ästuar. Sie entwässert 526.000 km² und ihr Abfluss betrug im Jahresmittel etwa 2.728 m³/sec.

= Flüsse, die in den Pazifik münden =
* Der Amur bildet seit 1858/1860 zusammen mit seinem Quellfluss Argun (Amur)|Argun (1.620 km) und seinem Nebenfluss 'Ussuri' den größten Teil der (ostasiatischenEin weiteres, nur etwa 70 km langes Stück russisch-chinesischer Grenze gibt es im Altaigebirge. Vor der Gründung der Sowjetunion und der Unabhängigkeit der (äußeren) Mongolei von China erstreckte sich die russisch-chinesische Grenze zeitweise über etwa 7.000 km vom Pamir (Gebirge)|Pamirgebirge bis zur Amurmündung.) Grenze zwischen Russland und China. Unterhalb der Ussurimündung fließt er nordwärts nur noch durch russisches Territorium. Der Amur ist namentlich 2.824 km lang, mit seinem Quellfluss Schilka (Fluss)|Schilka (555 km) und deren längerem Quellfluss Onon (1.032 km) hydrologisch sogar 4411 km. Seine wichtigsten Nebenflüsse sind von Westen nach Osten:
** Die 1.208 oder 1.242 km lange Seja kommt aus dem Stanowoigebirge im Norden.
** Der 1.927 km lange Songhua Jiang, russisch 'Sungari', befindet sich mit seinem Einzugsgebiet vollständig außerhalb Russlands und entwässert die Nordhälfte der Mandschurei und den äußersten Osten der Innere Mongolei|Inneren Mongolei
** Der 588 km lange Ussuri entspringt östlich von Wladiwostok im Süden des Sichote-Alin-Gebirges nur wenige Kilometer von der Küste entfernt und erreicht den Amur bei Chabarowsk.
* Die 1.146 km lange Anadyr (Fluss)|Anadyr ist der östlichste Strom (Gewässer)|Strom der Alte Welt|Alten Welt und gleichzeitig einer der nördlichsten. Ihr Einzugsgebiet umfasst 191.000 km². Sie entspringt 50 km nördlich des Polarkreises und mündet nach bogigem Verlauf 400 km Luftlinie südöstlich ihrer Quelle mit einem Ästuar ins Beringmeer.

Klima

In den meisten Regionen Sibiriens herrscht ein ausgeprägtes Kontinentalklima: Verhältnismäßig heiße Sommer (bis +40 °C) werden von extrem kalten Wintern (bis −72 °C) abgelöst. Oft wird das Land bis zu neun Monate von einer Schneedecke bedeckt. Die Landschaft wird großteils von Borealer Wald|borealen Wäldern (Taiga) dominiert, in den arktischen Regionen herrscht baumlose Tundra vor. Dazwischen existiert mit den Waldtundra-Zonen eine Übergangsform. Im Süden geht die Taiga in Steppe über.

Weite Teile Sibiriens werden von Permafrostboden|Permafrostböden (dauerhaft gefrorener Boden (Bodenkunde)|Boden) eingenommen, der in der warmen Jahreszeit nur oberflächlich antaut. Tau- und Regenwasser können dort nicht versickern. Die Staunässe führt im kurzen Sommer zu einem extremen Mückenreichtum. Dass der Boden unter Gebäuden und Verkehrswegen stärker taut als normal, erzeugt erhebliche Probleme bei deren Bau und Erhaltung. Das Dauerfrostgebiet umfasst außer der Tundra auch große Teile der Taiga und reicht östlich des Baikalsees bis an deren Südrand – und die Südgrenze des russischen Staatsgebietes. Etwa ein Drittel Sibiriens hat lückenlosen Dauerfrostboden, vor allem die 'Republik Sacha' (Jakutien) und deren nordwestliche und nordöstliche Nachbargebiete. Etwa die Hälfte Sibiriens hat Permafrostböden neben völlig auftauenden Arealen. Nur der äußerste Südwesten und schmale Gebietsstreifen am mittleren Amur und an der Pazifikküste haben gar keinen Dauerfrostboden.

Der Kältepol der bewohnten Welt befindet sich im ostsibirischen Oimjakon (südlich von Werchojansk).

Flora
Sibirien gliedert sich von Norden nach Süden in Tundra, Borealer Nadelwald|Taiga, Waldsteppe und Steppe. Die Tundra ist meist flach. Dort wachsen vor allem kleine Sträucher, Gräser, Horst (Botanik)|Polster- und Moose|Moospflanzen und Flechten. Die Taiga (russische Bezeichnung für Wald) ist weitgehend flach. Dort gibt es Nadelwälder, Sümpfe und Moor|Torfmoore. Im Westen dominieren Fichten und Kiefern, im Osten eher Lärchen. Die Waldsteppe ist eben bis flachwellig. Hier gibt es oft Erosionen und die Schneedecke ist sehr dünn. In der Steppe gibt es viele Gräser und Kräuter, in der Waldsteppe kommen vor allem Birken vor.


Fauna
Zu den Säugetieren Sibiriens zählen in der nördlichen Tundra Rentiere, Eisbären, Walross|Walrösser, Robben, Lemmini|Lemminge und Polarfuchs|Polarfüchse.

In der Taiga trifft man auf Braunbären, Asiatischer Schwarzbär|Schwarzbären, Wölfe, Zobel, Eichhörnchen, Iltisse, Hermeline, Rotfuchs|Füchse, Ottern, Eurasischer Luchs|Luchse, Elche, Hasen, Wildschweine, Dachse, Vielfraße und viele Vogelarten.

Amurleopard|Leoparden und Sibirischer Tiger|Tiger sind vor allem entlang des Amur anzutreffen.

Bevölkerung, Besiedlung

Mit 38 Millionen Einwohnern ist Sibirien nur schwach besiedelt, die Bevölkerungsdichte liegt im Mittel bei nur 2,9 Menschen pro km². Die Bevölkerung konzentriert sich in einem relativ schmalen Streifen im Süden und Südwesten, wo die Transsibirische Eisenbahn wichtige Großstadt|Großstädte verbindet und Ackerbau möglich ist.

Nowosibirsk, Omsk, Krasnojarsk, Tjumen', Tomsk, Irkutsk, Chabarowsk, Tschita, Ulan-Ude und die fernöstliche Pazifik-Metropole Wladiwostok gehören zu den größten Städten in diesem Streifen. Wichtige Industriezentren, in denen weitere Großstädte liegen, sind der Autonomer Kreis der Chanten und Mansen|Autonome Kreis der Chanten und Mansen und der Autonomer Kreis der Jamal-Nenzen|Autonome Kreis der Jamal-Nenzen, die den Schwerpunkt der Öl- und Gasindustrie darstellen sowie das südsibirische Kusnezker Kohlebecken (Kusnezker Becken|Kusbass) mit den Industriestädten Nowokusnezk und Kemerowo.

Kolonisierung

Im Uralgebirge hatte es schon seit dem 11. Jahrhundert Handels- und Bergbauniederlassungen der Republik Nowgorod gegeben. Östlich des russischen Siedlungsbietes bis in den Ural gab es später das halbautonome Herrschaftsgebiet der Kaufmannsfamilie Stroganow. Es bildete die Ausgangsbasis für die Eroberung und Erschließung Sibiriens. Die begann um 1580 mit der Expedition des Kosaken Jermak Timofejewitsch|Jermak. 1582 eroberten die Kosaken Sibir, die Hauptstadt des gleichnamigen Khanats, das bis dahin Westsibirien vom Uralgebirge bis zum Jenissei beherrscht hatte.

Danach wurde die russische Macht zügig nach Osten ausgebreitet, wobei man sich zunächst relativ weit nördlich hielt, um Konflikten mit den Staaten Mittelasiens auszuweichen und mit dem Mandschureich, das gleichzeitig China eroberte. 1639 erreichten erstmals Russen die Pazifischer Ozean|pazifische Küste. Erst 1858/1860 wurde durch Annexion der Äußere Mandschurei|Äußeren Mandschurei das vom Klima her etwas mildere Amurgebiet Teil des russischen Reiches.

Frühzeitig wurde ein weitmaschiges Netz hölzerner Forts, so genannter Ostrogs errichtet. Die intensivere Erschließung erstreckte sich bis ins 20. Jahrhundert. Wichtige Maßnahmen waren die Schaffung des Sibirischer Trakt|Sibirischen Traktes im 18. Jahrhundert und der Bau der Transib|Transsibirischen Eisenbahn 1891 bis 1916.

Schon unter den Zaren wurden viele politisch Missliebige nach Sibirien in die Verbannung geschickt. Eine Erschließung durch unabhängige Siedler gab es nur in viel geringerem Maße als in den englischen Kolonien in Nordamerika, da ein großer Teil der Bevölkerung Russlands Leibeigene waren und der russische Adel diese nicht durch Abwanderung verlieren wollte.

Eine Vorstellung über die Erschließung vermitteln die Gründungsdaten sibirischer Städte, siehe nebenstehende Liste.

Historische demografische Entwicklung

Den Großteil der Bevölkerung stellen die in den letzten Jahrhunderten zugewanderten Russen. Sie überwogen schon im 18. Jahrhundert die Indigene Völker des russischen Nordens, Sibiriens und des russischen Fernen Ostens|Urbevölkerung. Schon zu Zarenzeiten dienten die abgelegenen und unwirtlichen Gebiete Sibiriens und Mittelasiens zur Verbannung von politischen Gegnern und Straftätern. Schreckliche Berühmtheit erlangte der Der Archipel Gulag|Archipel GULAG, das unter der Herrschaft Stalins aufgebaute System von Gefängnissen und Straflagern. Erst mit dem Zerfall der Sowjetunion hörten die Deportationen in diese Gebiete auf. Ab den 1920er Jahren wurde die Industrie Sibiriens forciert, was die Bevölkerungsstruktur zugunsten der Einwanderer fixierte.

1926–1927 unternahm der junge Sowjetstaat den Versuch, einen genaueren Überblick über die Völker und Kultur der Polarregion zu gewinnen.

Während des Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges wurden ganze Industriewerke vor dem deutschen Vormarsch nach Sibirien in Sicherheit gebracht und im Zusammenhang damit auch hunderttausende von Menschen dorthin umgesiedelt.

Indigene Völker Sibiriens

Die Indigene Völker des russischen Nordens, Sibiriens und des russischen Fernen Ostens|indigenen Völker des Nordens, Sibiriens und des Russischen Fernen Ostens setzen sich aus Völkern der Altaisprachen|altaischen, der Uralische Sprachen|Uralischen Sprachfamilien, der Paläoasiatische Sprachen|paläoasiatischen Sprachen und weiteren zusammen. Die größeren sind die Tuwiner, Burjaten, Chakassen, Jakuten und Altaier. Zu den Indigene Völker Sibiriens|kleineren Ethnien ohne eigene Teilrepublik gehören u. a. Tschuktschen, Ewenken, Ewenen, Korjaken, Nenzen, Chanten und Mansen, sowie die Jukagiren. In der Sowjetunion waren die meisten indigenen Völker Sibiriens von zwangsweiser Ansiedlung und Kollektivierung in Sowchosen betroffen.

Die stärkste Bedrohung für die indigenen Völker geht von der industriellen Erschließung von Bodenschätzen wie Öl, Gas, Kohle, Diamanten und Gold im asiatischen Teil Russlands aus. Daneben stellt der Alkoholismus ein gewaltiges Problem dar. Die Sprachen vieler kleinerer Völker befinden sich am Rande des Aussterbens, insbesondere dort, wo aufgrund industrieller Erschließung das Umfeld verloren geht, in welchem diese verwendet werden.

Aktuelle demografische Entwicklungen

Russland leidet, wie viele Industrieland|Industrienationen, unter einem Rückgang der eigenen Bevölkerung. Zwar wachsen Ballungsgebiete wie Moskau oder Sankt Petersburg auch heute weiter, doch sehen sich gerade die Regionen wie Sibirien oder der Russisch-Fernost|Ferne Osten einem stärker werdenden Bevölkerungsrückgang durch Abwanderung (in größere Städte oder gar ins Ausland), stagnierende Lebenserwartung und weniger Geburten ausgesetzt. Die Bevölkerungskurven weisen typischerweise einen Anstieg von den 1940er Jahren bis 1990 und einem Abfall von 1990 bis in die Gegenwart auf. In subpolaren Gegenden ist die Schwankung um so stärker, je größer der Bevölkerungsanteil europäischer Zuwanderer war. Teilweise folgte auf eine Vervielfachung um mehr als das Dreifache ein Rückgang auf wenig mehr als den Ausgangswert.

Im Grenzgebiet zur Volksrepublik China kommt es seit den frühen 90er-Jahren zu einer verstärkten Handelstätigkeit, da es jetzt für chinesische Händler leichter ist, zwischen beiden Ländern zu pendeln. Schätzungen gehen von einigen hunderttausend chinesischen Einwanderern aus, die sich oft temporär, aber manchmal auch für unbestimmte Zeit auf russischer Seite niederlassen.Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung In: Newsletter Demos, 8. Ausgabe, 14. Mai 2004 Immer mehr der neuen Zuwanderer zieht es dabei in die größeren Städte in Sibirien, wie z. B. nach Irkutsk.Europäisches Migrationszentrum Berlin In: Migration, No. 29/30/31 Die einheimische russische Bevölkerung steht dieser Entwicklung mit Skepsis gegenüber, welche auch von offizieller Seite der russischen Politik propagiert wird. Es herrschen Befürchtungen über eine expansive Siedlungspolitik von chinesischer Seite sowie eine Gefährdung der Sicherheit entlang der bis zu 3000 km langen gemeinsamen Grenze, z. B. durch Schmuggel von Rohstoffen, Drogen, Waffen, durch Kriminalität und illegale Einwanderung.The Carnegie Moscow Institut In: Briefing Papers, Vol. 1, Issue 08, August 1999By Paul Goble
Tallinn, Estonia (UPI) Feb 10, 2006

Wirtschaft
Rohstoffe
Neben Erdgas und ErdölUS Department of Energy – Energy Information Administration: , 7. Mai 2006 stellen Holznutzung, Kohleförderung, Uranabbau, Diamant- und Goldminen die wichtigsten natürlichen Rohstoffe in Sibirien darRusslands Zukunft liegt in Ostsibirien und Fernen Osten , 7. Februar 2006. Sibirien hat deswegen einen großen Einfluss auf die Energiewirtschaft Russlands sowie die allgemeine Wirtschaftspolitik Russlands.

= Pelztiere =
Die Bedeutung der Pelztierjagd ist heute hauptsächlich historisch zu betrachten, auch die Pelztierzucht wurde aus wirtschaftlichen Gründen vielerorts wieder aufgegeben, zum Beispiel auch in Ust-Port.

= Holz =
Lessosibirsk ist die russische „Hauptstadt der Holzindustrie“ am Jenissei nicht weit von der Mündung eines Nebenflusses, der Angara, etwa 300 Kilometer nördlich von Krasnojarsk in den Wäldern der sibirischen Borealer Nadelwald|Taiga.

= Erdgas =
Erdgas aus Sibirien ist ein über Russland hinaus begehrter Rohstoff, wobei im Allgemeinen davon ausgegangen wird, dass das Land über die weltweit größten Erdgasreserven verfügtWorldenergy.com (with Gazprom) on Russian gas markets: , 8. August 2006.
Seit Ende der 1970er Jahre wird Erdgas auch nach Deutschland (damals: an DDR im Rahmen des RGW und an Westdeutschland) geliefert und stellt heute einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Mitteleuropa dar. Bis zu 90 % des russischen Erdgases stammen aus Westsibirien.
Die wichtigsten Gasfelder in Sibirien sind:
* Yushno Russkoje (Abkommen Wintershall und Gazprom auf der Hannover Messe, April 2005)
* Nowy Urengoi oder auch Gasfeld Urengoi
* Jamburg, Tas-Halbinsel
* Weitere Gasfelder der Jamal-Halbinsel: Bovanenkowskoje und andere. (noch nicht vollständig erschlossen)
* Gasfeld Shtokman in der BarentsseeShtokman-Feld in der Barentssee: , 16. Mai 2006.
* Gasfeld Kowykta ca. 450 Kilometer nördlich von IrkutskKovykta-Project by TNK and BP: , 26. Juni 2006.
* Wankor in der Region Krasnojarsk wurde 1988 entdeckt und soll bis 2008 in Produktion gehen.

Heute liefert Russland bis zu 37 % des in Deutschland benötigten ErdgasesEon – Sibirisches Erdgas: , 7. Mai 2006. Dabei arbeiten deutsche (z. B. E.ON und Wintershall) und russische Firmen (Gazprom) bei der Erschließung und Nutzung eng zusammen. Das Erdgas wird über lange Pipeline|Leitungen durch Weißrussland und die Ukraine nach Deutschland geliefertCentrex-Gruppe: Sibirische Pipelines nach Europa: , 7. Mai 2006. Im Jahr 2005 wurde beschlossen, den Bau einer weiteren Pipeline durch die Ostsee zu unternehmen, die sogenannte Nord Stream|NEGP, welche auch im Zusammenhang mit dem Russisch-ukrainischer Gasstreit|russisch-ukrainischen Gasstreit und dem Russisch-weißrussischer Energiestreit|russisch-weißrussischen Energiestreit zu sehen ist.

= Erdöl =
Sibirien verfügt über große Ölvorkommen. Neben Erdgas stellt dieses geförderte und exportierte Öl eine wichtige Deviseneinnahmequelle für Russland darHistory of oil in Russia , 20. Mai 2006. Firmen wie Gazprom Neft, Lukoil, Rosneft, Surgutneftegaz und Yukos spielen eine zentrale Rolle bei der Förderung. Wichtige Pipelines führen unter anderem nach Europa (hauptsächlich mit der Erdölleitung Freundschaft, auch genannt 'Druschba-Pipeline'), Japan und in die Volksrepublik China.
Kritiker verweisen allerdings auch auf die zunehmende Umweltverschmutzung bei der Förderung des Erdöls durch marode LeitungenÖlmulti total: , 20. Mai 2006.

Wichtige Erdölfelder in Sibirien sind:
* Werchnetschonskoje in OstsibirienRusslands Zukunft in Ostsibirien: , 20. Mai 2006
* Samotlor
* Mamontowo
* Fedorowo
* Priob
* Krasnoleninsk
* Priobskoje
* Yarainerskoje
* Talina

= Gold =
Die Goldförderung in Russland ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die wichtigsten Goldminen liegen in Sibirien und im Ferner Osten|Fernen Osten (darunter z. B. im Amurgebiet), sowie im Polargebiet. Russland produziert gegenwärtig ca. 168 Tonnen Gold pro Jahr und ist damit unter den Produzenten weltweit an fünfter Stelle. Ziel ist es, die Produktion auf 250 Tonnen pro Jahr in den nächsten fünf bis zehn Jahren auszuweiten. Russland verfügt über die zweitgrößten Goldreserven weltweit.Russlands Goldindustrie: , 23. November 2005

= Metalle =
Der russische Minenbetreiber Norilsk Nickel fördert in der Komsomolski-Mine in der Nähe von Norilsk im Norden Sibiriens. Die Eisenerzproduktion dort wird auf 3,45 Millionen Tonnen Erz im Jahr geschätzt, genaue Zahlen gibt es darüber jedoch nicht.

Infrastruktur
= Verkehr =
Da die großen Ströme Sibiriens Ob, Jenissei und Lena (Arktischer Ozean)|Lena von Süden ins Polarmeer entwässern und mehrere Monate im Jahr zugefroren sind, haben sie nur eine beschränkte Bedeutung zur wirtschaftlichen Erschließung. Erst durch den Bau der Transsibirische Eisenbahn|Transsibirischen Eisenbahn konnten Güter in größerem Umfang transportiert werden.

= Wasserkraftwerke =
Die Kraft der gewaltigen Ströme wird in vielen Wasserkraftwerken genutzt. Siehe dazu bei den entsprechenden Flüssen.

Siehe auch
commons|Сибирь|Sibirien

* Geschichte Sibiriens
* Indigene Völker des russischen Nordens, Sibiriens und des russischen Fernen Ostens
* Neusibirische Inseln
* Ostsibirien
* Politische Gliederung Russlands

Literatur
* Klaus Bednarz: 'Östlich der Sonne'. Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-498-00629-0
* Dittmar Dahlmann: 'Sibirien. Vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart', Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-71361-2
* George Kennan: 'Sibirien. Schilderungen (des Verbannungssystems)'. Reclam, Leipzig 1890–1891 ( als PDF)
* George Kennan: 'Zeltleben in Sibirien'. Reclam, Leipzig 1891 ( als PDF)
* Gerd Ruge: 'Sibirisches Tagebuch'. Berlin Verlag, Berlin 1998/1999, ISBN 3-426-61162-7
* Elmar Schenkel: 'Das sibirische Pendel. Reisen in Russland'. Edition Isele, Eggingen 2005, ISBN 3-86142-365-0
* Georg Adam Schleusing: 'Neu-entdecktes Sieweria, worinnen die Zobeln gefangen werden, wie es anietzo angebauet und bewohnet ist…'. Zittau 1693 ()
* Norbert Wein: 'Sibirien'. Klett-Perthes, Gotha 1999. ISBN 3-623-00693-9
* Gudrun Ziegler: 'Der achte Kontinent'. Ullstein, Berlin 2005. ISBN 3-550-07612-6
* Tobias Wulff: Vom Blauen Himmel – Eine Begegnung von Schamanen der Mongolei und Künstlern aus aller Welt. AVINTH Medienproduktion 2005/2006

Einzelnachweise
Weblinks
Wiktionary|Sibirien
*
* (indigene Völker)
*
* und Kommunikationsplattform zu sibirischen Unternehmen
* (Deutsch/English)


Quelle:
Seitentitel:Sibirien
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Bearbeitungsstand: 2011-01-08T10:33:43Z
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Datum des Abrufs: 29. Januar 2011, 12:00 UTC
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