Begriffsklärungshinweis Infobox Ort in Russland |deutscher Name = Kasan |Name in Landessprache = Казань |Wappen = Coat of Arms of Kazan (Tatarstan) (2004).png |Flagge = Flag of Kazan (Tatarstan).png |lat_deg = 55 |lat_min= 47 |lat_sec= 00 |lon_deg = 49 |lon_min= 07 |lon_sec= 00 |Art der Region = Republik |Region = Tatarstan |Region in der Tabelle = |Art des Gebietes = |Gebiet = |Gebiet in der Tabelle = |innere Gliederung = |Bezeichnung des Oberhaupts = Bürgermeister |Oberhaupt = İlsur Metşin |Gründungsjahr = |erste Erwähnung = 1005 |frühere Namen = |Status = Stadt |Status seit = |Fläche = 425 |Art der Höhe = |Höhe des Zentrums = 116 |offizielle Sprache = |offizielle Sprache-ref = |Bevölkerung = 1130717 |Jahr der Zählung = 2009 |Ballungsraum = |nationale Zusammensetzung = |Zusammensetzung nach Religionen = |Telefonvorwahl = (+7)843 |Postleitzahl = 420xxx |Gemeindeschlüssel = 92 401 |Webseite = http://www.kzn.ru/
"Kasan" (RuS|Казань, Tatarische Sprache|tatarisch "Казан" /Qazan, Mari (Sprache)|marisch "Озаҥ" /Ozaŋ) ist die Hauptstadt der Republik Tatarstan in Russland, an der Wolga, mit rund 1.130.717 Einwohnern (Stand: 2009). Als Gründungsdatum der Stadt gilt das Jahr 1005.
Kasan ist das Zentrum des Islam in Russland|russischen Islam sowie ein wichtiger Maschinenbaustandort und Verkehrsknotenpunkt.
Klima In Kasan herrscht ein gemäßigtes Kontinentalklima mit kalten Wintern (mitunter fallen die Temperaturen unter −30 °C) und milden Sommern, mit Durchschnittstemperaturen von 20 °C.
Geschichte
Kasan wurde im 10. Jahrhundert von Wolgabulgaren gegründet und war als Hauptstadt des tatarischen Khanat Kasan die erste nichtrussische Stadt, die Zar Iwan IV. (Russland)|Iwan IV., genannt „der Schreckliche“, 1552 dem russischen Reich einverleibte ('siehe auch:' Moskau-Kasan-Kriege). Die Eroberung Tatarstans begründete die Tradition des russischen Vielvölkerstaates und sein Verhältnis zu nichtrussischen Minderheiten.
1870 erschien in Kasan die erste gedruckte Version des heute in viele Sprachen übersetzten Buches 'Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers', eines Klassikers der Ostkirche|ostkirchlichen Spiritualität, durch das das Jesusgebet weltweit bekannt wurde.
Außerdem etablierte sich Kasan als eine bedeutende russische Universitätsstadt. Viele bedeutende Persönlichkeiten wie zum Beispiel Lenin und Lew Nikolajewitsch Tolstoi|Tolstoi studierten an der Staatliche Universität Kasan|Kasaner Universität, die zu den ältesten des Landes gehört.
Im Rahmen der deutsch-sowjetischen Militärkooperation gemäß dem Vertrag von Rapallo führte die deutsche Reichswehr (Inspektion 6 Kraftfahrwesen) zusammen mit der Rote Armee|Roten Armee von 1926 bis 1933 auf einem nahegelegenen Truppenübungsplatz die geheime Erprobung und Ausbildung an Panzern sowie die Entwicklung neuer Panzertaktiken durch. Unter anderem wurde dort der Großtraktor umfangreichen Tests unterzogen. Mit der Machtübernahme der neuen nationalsozialistischen Regierung endete die Zusammenarbeit. Die bis dahin durchgeführten Übungen bildeten den Grundstein für das später erfolgreich angewandte Blitzkrieg-Konzept.
In der Stadt bestand das Liste sowjetischer Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkriegs|Kriegsgefangenenlager '119' für Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg|deutsche Kriegsgefangene des Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs.Erich Maschke|Maschke, Erich (Hrsg.): 'Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges.' Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
Wappen Beschreibung: In Silber steht auf einem grünen Schildfuß ein goldgekrönter, goldbewehrter, rotflügliger schwarzer Basilisk (Wappentier)|Basilisk mit roter Schwanzspitze.
Der Schild der Stadt ist ohne Krone. Diese gibt es nur über dem Wappen des Königreichs Kasan (Khanat Kasan).
Die erste offizielle Wappen von Kasan wurde am 18. Oktober 1781 genehmigt. Modernisiert wurde das Wappen und die Flagge im Jahr 2005.
Im Jahr 1926 gab es ein Verbot der Heraldik, da Basilisk und Drachen Stärke, Weisheit und Unbesiegbarkeit symbolisieren. Auch die Erde, das Leben und den Reichtum symbolisiert diese Wappenfigur in diesem Kulturkreis.
Bevölkerung
Die Bevölkerung besteht aus Tataren (ca. 52 %), Russen (etwa 38 %), Tschuwaschen (knapp 2 %), Ukrainern (ca. 1 %), Russlanddeutschen, Juden und anderen.
Die am stärksten vertretenen Religionen sind die Russisch-Orthodoxe Kirche sowie der Islam: So wurde im Frühsommer 2005 in Kasan die größte Moschee Europas eröffnet.
Unter den religiösen Minderheiten sind auch Römisch-katholische Kirche|Katholiken, Protestanten, Juden, Bahai und Krishna mit eigenen Gebetshäusern vertreten, wobei die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde von Kasan ein eigenes Kammerorchester unterhält.
'Siehe auch:' Islam in Russland; Liste der Bischöfe von Kasan
Sehenswürdigkeiten
Die Stadt gilt als eine Perle der Architektur, die Orient und Okzident in sich vereint. Der Kasaner Kreml (Coordinate|text=Lage |NS=55/48/02/N|EW=49/06/20/E|type=landmark|region=RU-TA|name=Kasaner Kreml) gilt als einer der schönsten seiner Art und ist aus diesem Grund in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit|Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden. Dort steht auch der ehemalige Gouverneur-Palast, der von 1843 bis 1853 an Stelle des Khan-Palastes vom russischen Architekten Konstantin Andrejewitsch Thon|Konstantin Thon errichtet wurde. Darüber hinaus errichtete Thon die daneben stehende Schlosskirche.
Anlässlich des erfolgreichen Feldzuges nach Kasan ließ Iwan IV. (Russland)|Iwan IV. eine Kathedrale in Moskau errichten: die Basilius-Kathedrale auf dem Roter Platz|Roten Platz. Gleichzeitig wurde auf Befehl des Zaren eine kleine hölzerne Kirche im Kasaner Kreml gebaut, die schon nach drei Tagen fertig war. Später wurde diese Kirche umgebaut, und seit vermutlich 1556 steht im Kasaner Kreml eine prachtvolle orthodoxe Kathedrale: die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale (Kasan)|Mariä-Verkündigungs-Kathedrale. Diese Kathedrale ist das älteste Baudenkmal des Kasaner Kremls.
Nahe der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale befindet sich ein Turm aus rotem Ziegelstein: der Sujumbike-Turm. Der nach der letzten Kasaner Zarin Sujumbike benannte Turm entstand im 18. Jahrhundert. Hinter dem Turm befindet sich ein Mausoleum mit den Sarkophagen der tatarischen Khane.
Anlässlich des 1000-jährigen Bestehens im Jahre 2005 wurden der Kreml und andere Gebäude renoviert.
Der Hauptturm des Kasaner Kremls ist der Spasski-Turm (Kasan)|Spasski-Turm oder der Erlöser-Turm. Dieser Turm wurde im 19. Jahrhundert errichtet. Aber nach der Meinung einiger bekannter Architekten stammt das erste Stockwerk des Turmes aus dem 16. Jahrhundert und wurde noch von den russischen Baumeistern Postnik Jakowlew und Iwan Schirjaew erbaut. Bis zur Oktoberrevolution 1917 befand sich im obersten Stockwerk eine Kapelle und noch heute kann man dort Umrisse der Kirchenfenster erkennen. Ganz oben auf dem Turm ist ein Stern angebracht, der in den 1930er Jahren aufgestellt wurde. Heute wird oft darum gestritten, ob dieser Stern hier passend ist. Aber die Regierung ist der Meinung, dass ein Kreuz die Tataren und ein Halbmond die Russen beleidigen könnte.
Bauwerke in Kasan * Sujumbike-Turm * Mariä-Verkündigungs-Kathedrale (Kasan)|Mariä-Verkündigungs-Kathedrale * Kul-Scharif-Moschee * Metro Kasan * Staatliche Universität Kasan * St. Katharina-Kirche (Kasan)|St. Katharina-Kirche * Peter-und-Paul-Kirche * Nurulla-Moschee
Sport * Der Eishockeyverein Ak Bars Kasan spielt in der Kontinentale Hockey-Liga|Kontinentalen Hockey-Liga. * Der Fußballverein Rubin Kasan vertritt die Stadt in der Premjer-Liga. Im Jahr 2008 wurde der Verein erstmals Premjer-Liga#Russische Meister|Russischer Fußballmeister. Der Erfolg konnte im Jahr 2009 wiederholt werden. * Der Basketballverein UNICS Kasan spielt in der Superleague Russland. * Die Volleyballvereine VK Zenit-Kasan (Herren) und VK Dynamo Kasan (Damen) spielen in der Volleyball-Superliga.
Verkehr
Hauptartikel|Kasaner Nahverkehr Das Verkehrsnetz ist gut entwickelt, wozu auch die Schifffahrt auf mehreren Flüssen, unter anderem der Wolga und Kama, und der internationale Flughafen beitragen.
2005 wurde anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der Stadt die Metro Kasan|Kasaner Metro eröffnet. Sie umfasst derzeit eine Linie mit sechs Stationen und soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Weitere öffentliche Verkehrsmittel der Stadt sind die Straßenbahn, Busse, Trolleybusse und Marschrutkas. Die Stadt hat auch einen Fernbahnhof, einen Binnenhafen sowie einen internationalen Flughafen Kasan|Flughafen, der seit März 1997 auch von der Deutsche Lufthansa|Lufthansa angeflogen wird.
Wirtschaft Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind die Erdölförderung und die Erdgasgewinnung sowie die Erdölverarbeitung. Der Flugzeugbau, die Nahrungsmittel- und die Textilindustrie sind ebenfalls von großer Bedeutung. Die Landwirtschaft nimmt eine zentrale Stellung ein: 65 % der Fläche sind bebaut oder agrarisch genutzt.
In Kasan befinden sich zwei große Flugzeugwerke: Die Kazan Aircraft Production Association und Kasan Helicopters, bekannt durch die Mil Mi-8 und Mil Mi-17 Hubschrauber. Auch chemische und pharmazeutische Industrie befindet sich in Kasan.
Weiterführende Bildungseinrichtungen
* Filiale der Militärischen Artillerieuniversität * Filiale der Russische Staatliche Handelsuniversität|Staatlichen Handelsuniversität Moskau * Filiale der Universität für Verbraucherkooperation Moskau * Filiale des Juristischen Instituts des Innenministeriums Russlands * Filiale des Energetischen Instituts Moskau * Filiale des Instituts für Panzertruppen Tscheljabinsk * Institut für Ökonomie und Recht * Institut für Ökonomie und Verwaltung * Institut für Ökonomie, Verwaltung und Recht Kasan * Institut für Soziale und Geisteswissenschaftliche Kenntnisse * Institut für Business und Verwaltung Kasan * Institut für Finanzen und Ökonomie Kasan * Kommando-Ingenieurhochschule Kasan * Staatliche Akademie Kasan für Architektur und Baukunst * Staatliche Akademie Kasan für Kultur und Kunst * Staatliche Akademie Kasan für Veterinärmedizin * Staatliche Landwirtschaftliche Akademie Kasan * Staatliche Medizinuniversität Kasan * Staatliche Pädagogische Universität Kasan * Staatliche Technische A.-N.-Tupolew-Universität Kasan * Staatliche Technologische Universität Kasan * Staatliche Universität Kasan * Staatliches Energetisches Institut Kasan * Staatliches Konservatorium Kasan * Sozialjuristisches Institut * Tatarisch-Amerikanisches Regionales Kolleg * Tatarisches Institut für Geschäftliche Zusammenarbeit
Sonstiges Deutsches Haus der Republik Tatarstan Das Deutsches Haus der Republik Tatarstan|Deutsche Haus der Republik Tatarstan wurde im Jahr 2000 gegründet. Das Deutsche Haus ist heute ein Zentrum der Russlanddeutschen sowie ein Zentrum für deutsche Sprache und Kultur, Direktor ist (2008) Victor Dietz.
Das „Kasan-Phänomen“ Kasan war Ende der 1960er Jahre eine der ersten Städte der Sowjetunion, in der sich kriminelle Jugendbanden zusammenfanden, die später auch Ableger in Sankt Petersburg|Leningrad und Moskau gründeten. Diese Erscheinung wurde als „Kasan-Phänomen“ bezeichnet. Der Terminus fand Eingang in die englische Sprache als „Kazan phenomenon“ und zog einige soziologische Untersuchungen nach sich.
Städtepartnerschaften * Kasan unterhält seit 1988 eine Städtefreundschaft mit Braunschweig. * College Station, Texas * Eskisehir, Türkei
Persönlichkeiten
* Rustem Rinatowitsch Adagamow|Rustem Adagamow (* 1961), Blogger und Fotojournalist * Wassili Pawlowitsch Aksjonow|Wassili Aksjonow (1932–2009), Schriftsteller * Arseni Nailewitsch Alawkin (* 1969), Schachmeister * Denis Michailowitsch Archipow|Denis Archipow (* 1979), Eishockeyspieler * Alexander Jakowlewitsch Arossew|Alexander Arossew (1890–1938) Schriftsteller, Politiker und Diplomat * Lew Alexandrowitsch Besymenski|Lew Besymenski (1920–2007), Autor, Historiker und Journalist * Alexander Olegowitsch Burmistrow|Alexander Burmistrow (* 1991), Eishockeyspieler * Tschulpan Nailjewna Chamatowa|Tschulpan Chamatowa (* 1975), Filmschauspielerin * Gawriil Romanowitsch Derschawin|Gawriil Derschawin (1743–1816), Poet * Alexander Michailowitsch Butlerow|Alexander Butlerow (1828–1886), Chemiker * Alexander Wladimirowitsch Fadejew|Alexander Fadejew (* 1964), Eiskunstläufer * Wera Nikolajewna Figner|Wera Figner (1852–1942), Revolutionärin und Narodniki * Denis Pawlowitsch Golubew|Denis Golubew (* 1991), Eishockeyspieler * Anna Gourari (* 1972), Konzertpianistin * Natalja Grigorjewna Gutman|Natalja Gutman (* 1942), Cellistin * Dmitri Nikolajewitsch Jatschanow|Dmitri Jatschanow (* 1972), Eishockeytorwart * Albert Kapengut (* 1944), Schachspieler und -trainer * Boris Lukitsch Laptew|Boris Laptew (1905–1989), Mathematiker * Nikolai Iwanowitsch Lobatschewski|Nikolai Lobatschewski (1792–1856), Mathematiker, Dekan und Rektor der Kasaner Universität * Karl Ludwig von Littrow (1811–1877), Astronom * Alexander Romanowitsch Lurija|Alexander Lurija (1902–1977), Psychologe * Wladimir Alexandrowitsch Kotelnikow|Wladimir Kotelnikow (1902–2005), Radiotechnikingenieur * Marina Abrossimowa alias MakSim (* 1983), Sängerin, Autorin und Musikproduzentin * Jelena Sergejewna Migunowa|Jelena Migunowa (* 1984), Leichtathletin * Georgi Konstantinowitsch Mossolow|Georgi Mossolow (* 1926), Jagdflieger und Fluglehrer * Dmitri Alexejewitsch Obuchow|Dmitri Obuchow (* 1983), Eishockeyspieler * Kirill Andrejewitsch Petrow|Kirill Petrow (* 1990), Eishockeyspieler * Fjodor Fjodorowitsch Radezki|Fjodor Radezki (1820–1890), General * Michail Michailowitsch Roschtschin|Michail Roschtschin (1933–2010), Dramatiker und Drehbuchautor * Nikolai Alexejewitsch Sabolozki|Nikolai Sabolozki (1903–1958), Dichter * Roald Sinnurowitsch Sagdejew|Roald Sagdejew (* 1932), Physiker * Ruslan Faritowitsch Sainullin|Ruslan Sainullin (* 1982), Eishockeyspieler * Fjodor Iwanowitsch Schaljapin|Fjodor Schaljapin (1873–1938), Opernsänger * Albert S. Schwarz (* 1934), Mathematiker * Jewgeni Lwowitsch Schwarz|Jewgeni Schwarz (1896–1958), Schriftsteller und Dramatiker * Artjom Walerjewitsch Timofejew|Artjom Timofejew (* 1985), Schachgroßmeister * Wadim Alexandrowitsch Tokarew|Wadim Tokarew (* 1972), Profiboxer * Ğabdulla Tuqay (1886-1913), Lyriker, Essayist, Übersetzer, lebte ab 1907 in Kasan * Eugenia Volodina (* 1984), Model * Igor Alexandrowitsch Wuloch|Igor Wuloch (* 1938), Maler